Rezension

 

Das Buch enthält vier Kapitel.
Das erste und letzte bilden den knappen Theorie-Rahmen um die beiden mittleren, die Praxis und Methodik von Feedback-Prozessen ausführlich darstellen.

In dem kurzen ersten Kapitel erfahren wir, von welchen Leitfragen Feedback ausgeht. Angesichts von Unterrichtserfahrungen, die häufig durch widersprüchliche Erwartungen gekennzeichnet sind, fragen die Autoren

  • ob und wie SchülerInnen und LehrerInnen diese einander sichtbar machen können,
  • ob und wie auf diesem Wege Probleme bearbeitbar gemacht werden können,
  • ob und wie daraus eine neue inhaltliche und soziale Verständigung werden kann.

Wie das geht, mit welchen Erfolgen, aber auch Problemen Feedback verbunden sein kann, erfahren wir im zweiten Kapitel. Es enthält vier Fallbeispiele:

  • Das erste beschreibt die Einführung von Lerntagebuch und Zielscheibe im 5. Schuljahr eines Gymnasiums.
  • Das zweite zeigt Versuche in der 9. Klasse einer Gesamtschule unterschiedliche Erwartungen verständlich zu machen.
  • Das dritte schildert, wie ein Kurs in der gymnasialen Oberstufe in einen Dialog eintritt, der "vom Gedanken einer Lernpartnerschaft getragen ist" (S. 65).
  • Das vierte schildert Feedback-Erfahrungen in der Oberstufe einer beruflichen Schule; erklärtes Ziel ist die Verbesserung der Teamfähigkeit.

Das dritte Kapitel ist eine Art Kurzlehrgang für den Einstieg in Feedback-Arbeit. Wie sich dieses Konzept methodisch umsetzen lässt, wird durch einen ausführlichen Überblick über 30 Feedback-Methoden illustriert.

Das vierte Kapitel stellt auf einer allgemeineren Ebene "Feedback als Methode zur Veränderung von Unterricht und Schule" vor. Es präzisiert, begründet und beschreibt das Verfahren in einem Acht-Phasen-Modell.

Wer das Buch am Ende aus der Hand legt, hat viel gelernt. Die vier Fallbeispiele führen "live" vor, was denen widerfahren kann, die sich auf Feedback einlassen. Es wird klar, dass alles darauf ankommt, in welcher Haltung die LehrerInnen sich auf Feedback einlassen, wie wichtig methodische Genauigkeit ist, dass es Krisen gibt, man also einen langen Atem braucht.

Der Leser kann das Buch als Methoden-Fundgrube nutzen, findet ein klar strukturiertes, knappes Kompendium der gängigsten Verfahren, aber auch die ausführliche Anleitung dazu und deren Begründung.

Unübersehbar ist das Spannungsfeld zwischen progressiver Schulentwicklung und restriktiver Bewertungspraxis, zwischen pädagogischen Zielen bei den LehrerInnen und pragmatischen Nützlichkeitserwägungen bei den SchülerInnen.

Wenn es gelingt, diese widersprüchlichen Erwartungen abzugleichen, kann Feedback dieses Spannungsfeld positiv nutzen.

PS: Das Buch basiert auf einem Projekt, das von der GEW Hamburg und der SchülerInnenkammer durchgeführt und von der Max-Traeger-Stiftung, Frankfurt finanziert wurde.

Dr. Annemarie von der Groeben
Didaktische Leiterin der Laborschule Bielefeld

 

 

 

 

 

 

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