Forderungen des 7. SchülerInnenforums

 

Wir wünschen uns eine Schule, die nicht mehr einfach nur Lernort, sondern vielmehr auch Lebensort ist. Eine Schule, in der Schülerinnen und Schüler und Lehrerinnen und Lehrer gleichberechtigt miteinander kommunizieren, in der jeder Schüler tatsächlich individuell gefördert wird und in der neue Lehr- und Lernmethoden angewendet werden. Die Förderung der gegenseitigen Achtung und der Teamfähigkeit sind zentrale Ziele dieser Schule. Denn so enstehen viele Probleme gar nicht erst, die uns heute stören.

In dieser Schule, die wir uns vorstellen, hat die SchülerInnenvertretung eine zentrale Rolle, Jugendarbeit ist in den Schulalltag integriert und Schülerinnen und Schüler erhalten neben dem Unterricht ein umfangreiches Freizeitangebot.

Die Schule muss natürlich ganztags geöffnet sein. Die Räume müssen offen und kommunikativ gestaltet werden.

Und vor allen Dingen: sie muss komplett neu und anders gedacht werden. Bekannte und gewohnte Strukturen müssen überwunden werden, um neue Wege zu wagen.


Das SchülerInnenforum ist nach Bielefeld gegangen. Am Wochenende vom 27. bis zum 29. Februar 2004 trafen sich 130 Schülerinnen und Schüler aus Hamburg und dem gesamten Bundesgebiet. Nicht zum Spaß, sondern um von anderen zu lernen. Denn in Bielefeld gibt es die Laborschule und das ihr angeschlossene Oberstufenkolleg. In der internationalen Vergleichsstudie PISA erreichten die NeuntklässlerInnen dieser Versuchsschule überdurchschnittliche Ergebnisse und lagen damit in den Bereichen der „Gewinnerländer“ aus Skandinavien weit über dem deutschen Durchschnitt.

Von anderen Lernen heißt aber auch: von anderen Ländern lernen. Auf dem Kongress hatten wir Gäste aus Finnland und Dänemark, ebenfalls Länder, die bei PISA deutlich besser abschnitten als Deutschland.

Wir haben auf de SchülerInnenforum versucht, das „Erfolgsrezept“ der Finnen, der Dänen und der beiden Bielefelder Schulen zu erfahren. Und haben daraus unsere Ideen, Vorschläge und Forderungen entwickelt, die wir nun nach Hamburg tragen. Mit dem Ziel, Schule auch dort zu verbessern.


Im Folgenden stellen wir unsere Forderungen vor.


1. Einführung von Schüler-Lehrer-Feedback

Wenn Konflikte zwischen SchülerInnen und LehrerInnen auftauchen, der Unterricht langweilig und trocken ist oder einfach nur „die Mischung“ zwischen SchülerInnen und LehrerInnen nicht zu stimmen scheint, kann ein SchülerInnen-Feedback zu beiderseitigem Verständnis und im Endeffekt zu einer Verbesserung des Unterrichts führen.

Das bedeutet: SchülerInnen bewerten die Arbeit und den Unterricht ihrer LehrerInnen. Es entsteht zunächst ein Dialog und es werden schriftliche Vereinbarungen getroffen. Bessert sich dadurch nichts, kann der Konflikt in anderen neu geschaffenen schulinternen Gremien mit sogenannten „Feedbackern“ besprochen werden.

Um effektive Ergebnisse zu erzielen, ist die Souveränität des SchülerInnen-Feedbacks besonders wichtig, aber auch die Ernsthaftigkeit des Lehrers / der Lehrerin, in den Dialog mit den SchülerInnen zu treten. Eine wichtige Rolle zur Umsetzung des Feedbacks spielt die Gründung verschiedener neutraler Positionen und Gremien, an die sich SchülerInnen bei Problemen wenden können und die Konflikte mit Lehrern lösen.

An jeder Schule sollte es Ombudsmänner und frauen geben, die nach dem Vorbild der Ombudsfrau für SchülerInnenvertretungen, bei Konflikten vermitteln können (Ombudsmann = schwedisch: Vermittler, Anwalt…).

2. Stärkere Unterstützung der SchülerInnenvertretung

Die SchülerInnenvertretung setzt sich für die Belange der SchülerInnen an der Schule ein. Vielfach jedoch erhält sie nicht die Unterstützung, die sie benötigt. Die gesetzlichen Rechte und Mitbestimmungsmöglichkeiten können dadurch oft nicht wahr genommen werden. Eine SchülerInnenvertretung kann keine gute Arbeit leisten, wenn gegen sie gearbeitet bzw. ihr Engagement nicht unterstützt wird und somit den SchülerInnen keine Schule geboten werden kann, in die sie gerne gehen.

Unsere Forderungen:

Wir fordern mehr Unterstützung von LehrerInnen, Eltern, SchülerInnen und Schulleitung. Diese Unterstützung sollte, sofern dies möglich ist, gesetzlich oder durch andere Regelungen festgeschrieben werden.

Dazu gehört auch, dass Lehrerinnen und Lehrer über Mitbestimmungsrechte der SchülerInnen aufgeklärt werden. Dies sollte bereits im Rahmen der Lehrerausbildung geschehen und regelmäßig am Landesinstitut für Lehrerbildung als verpflichtende Maßnahme für alle Lehrerinnen und Lehrer durchgeführt werden.

Für eine gute Zusammenarbeit ist es z.B. auch nötig, dass LehrerInnen und SchülerInnen genug über ihre Rechte und vor allem über die Rechte der SchülerInnen und SchulsprecherInnen aufgeklärt sind.


3. Eine Schule ohne Noten

Die Bewertung von Leistungen durch Zahlen ist bei weitem nicht ausreichend zur Differenzierung der Leistnngen der SchülerInnen. Nur individuell gefertigte Berichtszeugnisse gewährleisten einen angemessenen Blick auf die Leistung jedes einzelnen Schülers / jeder einzelnen Schülerin und können Anstöße.

Unsere Forderung:

Wir fordern daher, das Notensystem durch ein Berichtssystem zu ersetzen / zu ergänzen. Zusätzlich zu den Zeugnissen müsste es ausführliche Gespräche zwischen LehrerInnen und SchülerInnen geben, während derer die SchülerInnen die Möglichkeit haben, eine etwaige Fehleinschätzung der LehrerInnen auszusprechen. Hierzu können SchülerInnen auf eigenen Wunsch Vertretungspersonen mit hinzuziehen.

4. Stärkere individuelle Förderung der SchülerInnen / Förderung derTeamfähigkeit

Das Beispiel der Laborschule Bielefeld und des Oberstufenkollegs hat gezeigt, dass die individuelle Förderung des/der Einzelnen wesentlich zur Verbesserung des Lernerfolges beiträgt.

Unsere Forderung:

Mit dem Ziel der individuellen Förderungen sollten folgende Maßnahmen ergriffen werden: Betreuung der Einzelnen durch höhere Erreichbarkeit der LehrerInnen, das Einsetzen sozialpädagogischer Fachkräfte und das Errichten kleinerer Klassen.

Außerdem fordern wir Förderung der Teamfähigkeit z.B. durch häufigere Arbeitseinteilung in Form von Gruppen, alternative Gruppenbewertung und Bewertung (aber nicht Benotung) des Sozialverhaltens der SchülerInnen.


5. Schaffung einer neuen Lernatmosphäre

Oft fehlt es den Schulen an Orten, in denen das Lernen in angenehmer und schöner Atmosphäre stattfinden kann. Um das Wohlfühlen innerhalb der Schule zu fördern und eine insgesamt angemessene und bessere Lernatmosphäre zu kreieren, halten wir es für sinnvoll, eine Kommunikationsfreundlichere Tischordnung zu errichten, die den SchülerInnen Gestaltungsfreiheit ermöglicht. Außerdem soll das Einsetzen von Pflanzen innerhalb des Schulgebäudes zur Verbesserung der Atmosphäre beitragen.


6. Etablierung neuer Lernmethoden

Ein praxisorientierter Unterricht bereitet besser auf das Leben vor. Wir fordern daher verbindlich stattfindende fächerübergreifende Projektarbeiten, zusätzliche Praktika während der Schullaufbahn und mehr Anwendung theoretischer Kenntnisse durch Versuche im naturwissenschaftlichen Unterricht.


7. Förderung der gegenseitigen Achtung

Schulische Leistungen hängen eng mit dem Lernklima an den Schulen zusammen. Respekt von SchülerInnen gegenüber ihren LehrerInnen aber auch Respekt der LehrerInnen gegenüber den SchülerInnen ist für ein angenehmes Klima unerlässlich.

SchülerInnen, denen von der Schule bzw. den LehrerInnen das Gefühl vermittelt wird, wichtig zu sein, sind eher bereit, ihre Energie für Schule und Unterricht einzusetzen.

Das heutige Klima in den Schulen zeigt, dass die alten Lehrmethoden nicht geeignet sind, die Motivation der SchülerInnen zu fördern. Wie Schulen in anderen Staaten uns bereits gezeigt haben (Finnland, Dänemark), bringen moderne Methoden auch größere Erfolge. Hier kann und muss das deutsche Bildungssystem noch viel lernen.

Nur wenige Schulen haben eine Atmosphäre, in der sich die SchülerInnen gerne aufhalten. Hier ist es Aufgabe der Verantwortlichen, eine Atmosphäre zu kreieren in der die SchülerInnen sich wohl fühlen und nicht den Vormittag damit verbringen, über dessen Ende nachzudenken.

Unsere Forderungen:

Das Fördern der gegenseitigen Achtung und des Respekts voreinander sollte Bestandteil der Lehrerausbildung und Fortbildung sein. Außerdem muss dies in den Grundschulen und in den fünften und sechsten Klassen den SchülerInnen verstärkt vermittelt werden.


8. Schule als Ganztagsangebot

Ganztagsschulen als Lebensraum müssen verantwortungsvoll geplant und geführt werden. Ansonsten können sie unserem Anspruch nicht gerecht werden, dass Schule mehr sein muss als Lernort.

Wir fordern daher folgende Punkte:

Breites Fächerangebot in Vormittags- und Nachmittagskursen. Kooperationen zwischen Schulen und Stadtteilen. Gemeinschaft zwischen LehrerInnen und SchülerInnen (durch kleine Klassen, verpflichtende Klassenreisen, Nachmittagsausflüge, Unterrichtsnachbearbeitung)

Bei der Ausstattung sind folgende Punkte wichtig: Große Kantinen mit kostengünstigen und abwechslungsreichen Essensangeboten. Große Bibliothek mit Schulbüchern und auch anderen interessanten Büchern. Helle und freundliche Klassen- und Ruheräume.


9. Intensivierung des Streitschlichterprogramms

Wir fordern eine noch breitere Einführung des Streitschlichter-Projektes. Aus unserer Sicht ist das Projekt eines der sinnvollsten im Bereich der reaktiven Gewaltprävention. StreitschlichterInnen können viel zur Lösung eines Konfliktes beitragen. Sie sprechen dieselbe Sprache wie ihre MitschülerInnen und sind näher an den Problemen zwischen SchülerInnen als ihre LehrerInnen, was ihnen große Möglichkeiten zur frühen Erkennung und Verhinderung von Konflikten gibt. Und zwar meist ohne repressive Maßnahmen.

Unsere Forderung:

Zur Stärkung der Position der StreitschlichterInnen fordern wir eine breite Unterstützung seitens aller an Schule Beteiligten. Die StreitschlichterInnen müssen von allen Seiten akzeptiert und unterstützt werden, um die notwendige Motivation und Grundlage ihrer Arbeit zu erhalten. Diese Akzeptanz und Unterstützung finden wir leider nicht an allen Schulen.

Des Weiteren fordern wir ein breiteres Angebot an Fortbildungen für StreitschlichterInnen, um diesen die Fähigkeiten an die Hand zu geben, mit möglichst pädagogischem Hintergrundwissen zu agieren. Um die Arbeit der StreitschlichterInnen weiter entwickeln zu können und zu reflektieren, muss eine Supervision stattfinden.


10. Seminare als Klassenreisen

Um ein angenehmes, gewaltfreies und offenes Schulklima zu erstellen, ist es notwendig, in die Schulklassen Toleranz, Gemeinschaftsgefühl und Zivilcourage hineinzutragen. Wir sehen die LehrerInnen nicht im Stande, dies im Unterricht zu leisten. Und auch die pädagogischen Angebote an Ganztagsschulen sind zwar ein Schritt in die richtige Richtung, erscheinen uns jedoch als erweiterbar.

Wir fordern daher, folgendes Konzept umzusetzen, um in diesem Bereich zu unterstützen: Die Behörde sollte Angebote machen, welche von SozialpädagogInnen moderiert werden. Diese frei themenbezogen sein und somit als Projektreise in den laufenden Unterrichtsprozess (fächerübergreifend) eingebunden werden. Die SozialpädagogInnen sollen ihre Ausbildung dazu nutzen, gruppendynamische Prozesse in den Klasse in die Wege zu leiten und zu unterstützen. Dies bietet die Möglichkeit, ein Gemeinschaftsgefühl in der Klasse aufzubauen. Mit einer guten Gruppendynamik werden sie nicht nur die Probleme zwischen den SchülerInnen reduzieren und somit Zeit frei, die früher zur Problemlösung aufgewandt werden musste, sondern die Effizienz des Unterrichtes wird durch bessere Zusammenarbeit der SchülerInnen gesteigert. Ein solches Projekt sollte durch die Behörde an den Schulen bekannt gemacht werden, so dass SchülerInnen von diesem Projekt erfahren und es annehmen können. Auch sollte die Behörde Seminare (auf Wochenbasis) anbieten, an denen SchülerInnen und parallel auch LehrerInnen teilnehmen können, um die Möglichkeit der gruppendynamischen Arbeit zu erfahren, und somit angeregt werden, solche Fahrten mit der eigenen Klasse zu unternehmen.


11. Jugendarbeit in der Schule

Gerade im Zusammenhang mit der Ganztagsschuldebatte wird aktuell die Debatte geführt, wie man die Jugendarbeit in die Schule integrieren kann. Wir erachten dies als höchst sinnvoll, da wir in der autonomen pädagogischen Arbeit von Schule und Jugendarbeit große Reibungsverluste sehen, obwohl wir meinen, dass beide Bereiche auch positiv zusammen arbeiten können.

Im Gegenzug sollte pädagogische Arbeit auch außerhalb der Schule, beispielsweise im Sportverein geleistet werden. Hier können Probleme genauso auftauchen und gelöst werden wie in der Schule selbst.

Forderung:

Wir fordern die Integration der Jugendarbeit in die Schule, d.h., dass es in den Schulen Raum für Jugendarbeit geben muss, sowohl zeitlich als auch räumlich. Schule und Jugendarbeit müssen enger zusammen arbeiten und sich gegenseitig über ihre Arbeit mit den SchülerInnen informieren.

Außerdem fordern wir eine stärkere Kooperation zwischen Schulen und Sportvereinen. Dies kann sowohl durch eine Integration der Sportangebote in den schulischen Rahmen geschehen, als auch durch ein Zugehen der Schule auf Sportvereine. Sportangebote sollen nicht nur unter Sport- und Leistungsaspekten durchgeführt werden, sondern in Zusammenarbeit mit PädagogInnen gezielt unterstützend und analysierend für SchülerInnen wirken.


12. Aktive Pause

Wichtig ist es das in der Pause Pädagogen mit den Schülern zusammenarbeiten, um Gewalt zu vermeiden. Dieses kann man am besten in Form von Angeboten, z. B. Sportangebote umsetzen. So sind die Schüler während ihren Pausen sinnvoll beschäftigt. Zudem sollten die Schüler sich an der Organisation der Pausenaktivitäten beteiligen. Das bewirkt das Schüler lernen Verantwortung zu übernehmen. Sie erfahren auch das gemeinschaftliche Arbeiten, welches ihr Gruppengefühl fordert.

Forderung:

Es wird gefordert, dass in den Pausen Jugendarbeiter zur Verfügung gestellt werden. Sie sorgen für eine entspannte Atmosphäre auf den Schulhöfen und fördern sogleich noch das Gemeinschaftsgefühl unter den Schülern selber.


13. Hausaufgabenhilfe durch LehrerInnen

Es ist wichtig, dass auch nach dem Ende der letzten Stunde die SchülerInnen nicht allein da stehen. Darum ist es eine gute Sache wenn SchülerInnen auch nach dem Unterricht sich an Jugendarbeiter jederzeit wenden können. Sei es nur um bei den Jugendarbeitern Hausaufgabenhilfe zu bekommen oder aber sich bei anderen Problemen Rat zu holen.

Forderung: Wir fordern dass Pädagogen auch nach Schulschluss für die SchülerInnen da sind und sich um Hausaufgaben und Persönliche Probleme der Schüler kümmern. Es müssen Räume auch nach Schulschluss zur Verfügung stehen.

Downloads

forderungen7.pdf

einladung6-7d.pdf

 

 

 

 

 

 

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