Forderungen des 5. SchülerInnenforums
Wir wünschen uns eine Schule, in der die Schülerinnen und Schüler Hand in Hand den Unterricht inhaltlich und methodisch mit den Lehrerinnen und Lehrern gestalten. Eine Schule, die uns auf das „Leben“ vorbereitet und in der der Unterricht lebensnah gestaltet ist.
Eine Schule, die uns nicht nur ein breites Allgemeinwissen vermittelt, sondern mit genau dem gleichen Aufwand uns auch vermittelt, wie wir das gelernte außerhalb der Schule effizient anwenden können.
Am 6.11.2002 fand nun das mittlerweile 5. SchülerInnenforum statt. Über 50 Schülerinnen und Schüler aus allen Hamburger Schulformen arbeiteten diesmal zum Thema „Was wollen wir lernen?“. Nachdem sich die vorhergegangenen Foren eher mit dem „wie“ beschäftigten, zählten diesmal verstärkt die Inhalte.
Wie lebensnah ist unser Unterricht eigentlich gestaltet? Was sind die Inhalte, die uns interessieren? Was nehmen wir aus der Schule für unser „Leben danach“ überhaupt mit und was hilft uns nach der Schulzeit? – All das waren Fragen, die uns an diesem Tag beschäftigten.
Sehr schnell merkten wir aber auch, dass wenn wir uns mit den Inhalten von gutem Unterricht befassen, wir uns dem „wie soll guter Unterricht gestaltet sein?“, nicht völlig entziehen können. Guter inhaltlicher Unterricht kann nur wirklich gelingen, wenn auch bestimmte methodische, finanzielle, räumliche und technische Mittel zur Verfügung stehen.
Unsere Hauptforderungen stellen wir auf den kommenden Seiten dar. Dabei sind wir uns bewusst, dass Teile von unseren Forderungen schon in den Lehrplänen stehen, die Umsetzung aber nicht konsequent durchgeführt wird, da diese Punkte oft nur gering in den Lehrplänen vorhanden sind. Auch ohne besonderes Engagement der LehrerInnen muss die Umsetzung klappen.
1. Umgang mit den Medien
Immer mehr verschiedene Medien wirken innerhalb und außerhalb der Schule auf uns ein. Nicht immer ist es einfach damit kompetent umzugehen. Der richtige Umgang mit dieser Medienflut wird in der Schule zu wenig berücksichtigt.
Wir fordern deshalb:
Der Umgang mit Medien, seien es nun Printmedien, Radio, Internet oder Fernsehen, nimmt in der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler zusehends mehr Raum ein. Die Schule muss darauf eingehen und vermitteln, wie man sich diese Informationen zu nutze machen kann und eine kritische Auseinandersetzung damit fördern.
Dies darf nicht erst in der Oberstufe zum Thema „Kommunikation“ stattfinden, sondern muss wesentlich früher in den verschiedenen Klassenstufen auftauchen. Die aktuelle Berichterstattung der Medien muss im Unterricht ausreichend durchgesprochen und behandelt werden.
Wir fordern deshalb:
Vermehrten und tiefer gehenden Einsatz, gerade auch von neuen Medien. Zudem sollten Medienberichte verstärkt in den Unterricht einfließen. Die SchülerInnen sollten durch kritische Auseinandersetzung mit den Medien im Unterricht, die Medien im Alltag kritischer bewerten können.
2. Lebensnahe Sprachen
Im Fremdsprachenunterricht müsste die jeweilige Sprache, wie im täglichen Gebrauch vermehrt gesprochen und angewendet werden. Nicht nur aus Lehrbüchern wollen wir lernen, sondern vielmehr aus dem Leben der Leute des jeweiligen Landes. Der Fremdsprachenunterricht sollte spielerischer gestaltet werden, damit der Spaß nicht auf der Strecke bleibt, der gerade beim Sprachenlernen so wichtig ist.
Wir fordern deshalb:
Auslandsaufenthalte und Austauschprogramme sollten verstärkt gefördert und attraktiver gemacht werden.
Zudem betrachten wir es als Fortschritt, wenn Slangwörter und Umgangssprache mehr in den Unterricht einbezogen würden. Dadurch würde man sich in die Sprache besser hereinversetzen können und ein „Feeling“ für die Sprache bekommen.
3. Fach Leben
In der heutigen Zeit ist es besonders für junge Leute wichtig, um sich in der Welt der Erwachsenen zurecht zu finden, selbständig, selbstbewusst und sozial kompetent in unserer Gesellschaft zu leben.
Viele Jugendliche werden auf Grund ihres Unwissens in Bezug auf Verträge und ihre Rechte oft sprichwörtlich über den Tisch gezogen. Deswegen ist es wichtig den Jugendlichen möglichst früh einen Grundstein für ihr späteres Leben zu legen.
Sie sollten sich in unserer Gesellschaft aber auch sozial zurechtfinden und deren Grundlagen begreifen. Immerhin wird von ihnen später verlangt kritische, mündige, selbstständige Bürger zu sein.
Wir fordern
aufgrund dessen die Einführung eines Faches namens „LEBEN“. Die Notwendigkeit eines solchen Faches führen wir aus:
Mehr Selbstbeständigkeit
Die Einführung eines Faches in dem Schülern die Grundlagen des späteren Lebens nahe gebracht werden sollen. Wie zum Beispiel:
- Wie füllt man einen Vertrag richtig aus?
- Wie setzte ich mich mit Behörden richtig auseinander?
- Wie mache ich meine Steuererklärung richtig?
- Was ist eine Lohnsteuerkarte?
Außerdem ist es wichtig SchülerInnen die Grundkenntnisse in folgenden Sachgebieten beizubringen:
- Mietrecht
- Arbeitsrecht
- Vertragsrecht
- Familienrecht
- Versicherungsgrundkenntnisse
- Finanzverwaltung
Selbstbewusstsein stärken
Das Selbstbewusstsein der Schüler muss durch ein vielseitiges Programm der Schule gestärkt werden. Hierzu haben wir uns ein paar Gedanken gemacht und Möglichkeiten der Selbstbewusstseinsstärkung zu Papier gebracht.
- Konfliktbewältigung durch Kommunikation
- regelmäßige Kurse in z.B. Persönlichkeits-, Motivations- und Vertrauenstraining
Außerdem wäre es Sinnvoll den Schülern eine angemessene Ausdrucksform anzugewöhnen. Dies ist möglich durch z.B. frei vorzutragende Referate, Vorträge oder Hausaufgaben. Hierzu wären auch Rhetorikkurse in kleineren Gruppen sinnvoll.
Soziale Kompetenzen
Um Schülern einen vernünftige Umgang mit Menschen zu vermitteln, ist es Sinnvoll das Schüler in allen Stufen mindestens ein soziales Praktikum machen. Dies könnte z.B. in Behinderten- Alten- oder Pflegeheimen stattfinden.
Außerdem könnte man gesellschaftliche und zwischenmenschliche Probleme durch Theater oder Rollenspiele bearbeiten und begreifen lernen.
Strukturierter Sozialkundeunterricht
Um SchülerInnen eine ausreichende Sozialkompetenz zu vermitteln, muss man die Gesellschaft verstehen lernen. Die Teilnehmer des 5. Forums sahen den derzeitigen Unterricht als nicht ausreichend strukturiert an, um den SchülerInnen ein grundlegendes Verständnis unserer gesellschaftlichen Verständnisse, Aufgaben und Organisation zu lehren.
Wir fordern deshalb einen Unterricht, der die gesellschaftlichen Fächer Sozialkunde und GMK zu einem strukturierten Komplex zusammenfasst . Wir halten es zudem für erforderlich, dass schon in der Grundschule bis zum ersten Sozialkundeunterricht vermehrt über soziale Konflikte geredet wird. In der Grundschule, bis zu den Klassen in denen Sozialkunde unterrichtet wird, sollte über gesellschaftliche Konflikte im kleinen Rahmen (Klassenkonflikte, Konflikte in dem Stadtteile, persönliche Probleme) diskutiert werden. Der Hintergedanke dabei ist, dass die SchülerInnen die Gesellschaft und ihre Grundlagen somit verstehen lernen. Mit der Einführung des Faches Sozialkunde sollten grundlegende gesellschaftliche Probleme wie Intoleranz, Gewalt und allgemein sozial bedingte Konflikte diskutiert werden. Ziel dieses Unterrichtes soll sein, dass die SchülerInnen mit einem fundierten Grundwissen den GMK-Unterricht beginnen.
Erst mit einem Verständnis des gesellschaftlichen Aufbaus, kann man bundesweite, europäische und globale Konflikte verstehen.
4. Kreativität
Mehr Kreativität zeigen
In allen Unterrichtsfächern müssten die SchülerInnen verstärkt Kreativität einbringen können. Unter Kreativität verstehen wir das eigenständige Suchen nach Lösungsmöglichkeiten und ist somit die Weiterentwicklung und Auslebung des persönlichen Geistes.
Gefördert werden könnte dieses durch selbst geschriebene Theaterstücke, selbst komponierte Lieder und die Organisation der Aufführung.
Auch alternative Möglichkeiten der Unterrichtsgestaltung, wie zum Beispiel Konzentrations- oder Entspannungsübungen können Kreativität, Konzentration und Motivation fördern.
Die Kreativität soll eine Hilfe bei der persönlichen Entwicklung sein.
Deshalb fordern wir:
Wie oben beschrieben, soll das verstärkte Einbringen von Kreativität – nicht nur im Kunstunterricht – gefördert werden, um die individuelle Entfaltung der Lern – und Arbeitsprozesse des Einzelnen zu fördern.
Dieses könnte durch verstärkte Projektarbeit und teilweise Öffnung der Lehrpläne erreicht werden. Dadurch könnte der Unterricht auch attraktiver gestaltet werden, was wiederum die Motivation zum Lernen anregt.
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