Stellungnahme zum Positionspapier der Handelskammer: Engstirning und undurchdacht
Auf ihrer gestrigen Sitzung nahm die Schülerkammer Stellung zum kürzlich vorgelegten Positionspapier der Handelskammer „Schulen auf Leistungskurs bringen“.
Die Forderungen der Handelskammer stehen im starken Gegensatz zu den Vorstellungen der skh für eine gute und leistungsfähige Schule.
Schule soll Schülerinnen und Schüler dazu befähigen, aktiv am sozialen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, beruflichen, kulturellen und politischen Leben teilhaben zu können. So formuliert es auch das Schulgesetz.
Die Handelskammer hingegen verlangt eine einseitige Orientierung der schulischen Bildung an der Wirtschaft. Dies ist engstirnig und undurchdacht.
Die in der sogenannten „Studie“ der Handelskammer geforderte Privatisierung der Schulen hätte fatale Auswirkungen. Eine ernstzunehmende Gefahr: Die Bildung von Eliteschulen in einkommensstarken Stadtteilen auf der einen und schlecht ausgestatteten Schulen in einkommensschwachen Gebieten auf der anderen Seite.
Die Handelskammer fordert eine stärkere Begabtenförderung und die Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur auf 12 Jahre. Hiermit soll die Wettbewerbsfähigkeit der Hamburger Abiturienten gesteigert werden.
Aber: Schule bedeutet mehr als das Pauken für den Beruf. Gerade in einer multikulturellen und vielfältigen Großstadt wie Hamburg muss darauf geachtet werden, dass alle Kinder und Jugendlichen gemäß ihren Begabungen gefordert und gefördert werden. Eine einseitige Beschränkung auf die Förderung leistungsstarker Schüler wäre daher als großer Rückschritt anzusehen. Gute Bildung braucht Zeit - daran kann auch die Handelskammer nichts ändern.
Die Einführung von Kopfnoten lehnt die Schülerkammer generell ab: Insbesondere das Arbeits- und Sozialverhalten der Schülerinnen und Schüler ist so unterschiedlich und individuell, dass es nicht objektiv bewertet werden kann.
Die Handelskammer kritisiert die hohen Ausgaben für die Schulen in Hamburg insbesondere mit Blick auf die Ergebnisse diverser Leistungsvergleiche. Doch dabei vergessen die Autoren des Positionspapiers, dass in einer Millionenstadt wie Hamburg andere Probleme existieren als beispielsweise in Flächenstaaten - Probelem sozialer, kultureller oder finanzieller Natur. Hamburg hat vor allem im Bereich der Integration von sozial Benachteiligten eine große Aufgabe wahrzunehmen, die auch höhere aber notwendige Kosten verursacht.
Bei Rückfragen: Julia Liedtke, Telefon 0179 - 465 0 485