Demokratidefizite an Hamburgs Schulen Bericht der Ombudsfrau für SchülerInnen liegt jetzt vor
Dokumentierte Fälle nur die Spitze des Eisbergs
Ob es nun um offensichtliche Unstimmigkeiten bei der Notengebung, Behinderung der Arbeit der gewählten SchulsprecherInnen und SchülerInnenräte oder sogar um die Beschneidung demokratischer Rechte ging: der zweite Jahresbericht der Ombudsfrau für SchülerInnen, Barbara Beutner, dokumentiert, was an Hamburgs Schulen so alles schief läuft.
Die Ombudsfrau für SchülerInnen wurde nach SchülerInnenprotesten 1999 von der Schulbehörde eingesetzt – bundesweit einmalig. Sie soll dafür sorgen, dass Rechte von Schülerinnen und Schülern auch eingehalten werden und bei Konflikten als Vermittlerin dienen. Und damit hat sie allerhand zu tun.
Denn was vielen lange klar war, jedoch nie ausführlich belegt werden konnte, das bringt nun ihr Bericht ans Licht: an Hamburgs Schulen gibt es Demokratiedefizite, die man nicht mehr als „Einzelfälle“ bezeichnen kann. In den vergangenen zwei Jahren wurden allein Barbara Beutner 82 konkrete Fälle gemeldet. Und hinter vielen Fällen steht eine ganze Klasse, eine Schulstufe oder sogar eine ganze Schule. Insgesamt meldeten sich SchülerInnen von etwa 70 unterschiedlichen Schulen.
Beispiele:
- SchulleiterInnen und LehrerInnen haben sich in Wahlen zur SchülerInnenvertretung eingemischt - KandidatInnen wurden behindert. Das Briefgeheimnis wurde von Schulleitungen mehrmals verletzt.
- KlassensprecherInnen wurden wiederholt von Lehrkräften zum „Petzen“ aufgefordert - eine Klassensprecherin sollte die Freizeitgewohnheiten von MitschülerInnen ausspionieren.
- KlassensprecherInnen wurden an der Erfüllung ihrer Aufgabe behindert - und wegen ihres Engaments von LehrerInnen lächerlich gemacht.
Gerade weil Schule den Anspruch hat, zu demokratischer Teilhabe zu erziehen, stimmen die aufgezeigten Fälle bedenklich. Wer als SchülerIn ohnmächtig erleben muss, wie gesetzlich verankerte Rechte einfach nicht gewährt oder sogar bewusst beschnitten werden, für den verliert Demokratie an Glaubwürdigkeit. Gerade angesichts der jüngsten Diskussionen um Rechtsextremismus darf es dazu jedoch nicht kommen.
Erschreckend ist auch, dass die dokumentierten Fälle sicherlich nur die Spitze des Eisbergs sind: die meisten Konflikte werden - wenn überhaupt - schulintern ausgetragen. Dass die Ombudsfrau bekannt ist oder eingeschaltet wird, ist eher noch die Ausnahme.
Am Donnerstag wird die SchülerInnenkammer auf einer Sitzung mit Landesschulrat Peter Daschner über die Konsequenzen aus dem vorliegenden Bericht sprechen.
Bei Rückfragen:
Julia Liedtke (Geschäftsführerin der skh), Telefon 643 52 63 oder erreichbar über 0179 - 465 0 485
Barbara Beutner (Ombudsfrau): Telefon: 4 28 63 - 28 97