Undurchdacht und falsch SchülerInnen kritisieren Bildungspolitik v. CDU, FDP, PRO
Am 9. Oktober haben CDU, FDP und PRO in einer gemeinsamen Erklärung die Grundzüge ihrer Bildungspolitik vorgestellt. Die möglichen Koalitionspartner fordern unter anderem das Abitur nach 12 Jahren, verbindliche Einführung von Ziffernnoten ab Klasse 3 sowie zentrale Abschlussprüfungen. Außerdem: Nichteinschulung von Kindern mit mangelnden Deutschkenntnissen. Die Koalitionäre wollen 100 neue LehrerInnenstellen schaffen.
Die SchülerInnenkammer hält diesen eingeschlagenen Weg für falsch und die Pläne für undurchdacht. Den Vorhaben fehlt Weitsicht und pädagogisches Verständnis. Die SchülerInnenkammer vermisst in der Erklärung das deutliche Bekenntnis zur Demokratisierung der Schulen. Bildungspolitische Visionen sucht man in der Erklärung vergeblich.
Und: Das wichtige Wahlversprechen, ausreichend neue LehrerInnenstellen zu schaffen, wird nicht eingehalten. Die Schaffung von 100 LehrerInnenstellen kann die Probleme an Hamburgs Schulen nicht ansatzweise lösen.
Die SchülerInnenkammer hofft, dass zumindest das Versprechen, die Unterrichtsqualität zu verbessern, ernst gemeint ist. Dies setzt einen gemeinsamen und lebendigen Mitgestaltungsprozess der an Schule Beteiligten voraus - diese Möglichkeiten müssen in diesem Zusammenhang erweitert werden.
Die generelle Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur auf 12 Jahre ist ein Schritt in die falsche Richtung. Die gewachsenen Anforderungen an Schule können nicht in noch kürzerer Zeit erfüllt werden. Der durch Schulzeitverkürzung erhöhte Leistungsdruck hat negative Auswirkungen insbesondere auf das Erlernen von Schlüsselqualifikationen wie Teamfähigkeit, Kooperations-, Kommunikations- und Konfliktfähigkeit, wie sie das Schulgesetz fordert.
Auch zentrale Abschlussprüfungen lehnt die SchülerInnenkammer ab. Gerade in einer vielfältigen Stadt wie Hamburg mit einer heterogenen SchülerInnenschaft müssen Abschlussprüfungen dem jeweiligen Lern- und Lebensumfeld angepasst werden.
Der grundsätzliche Verzicht auf Berichtszeugnisse ab Klasse 3 widerspricht dem pädagogischen Anspruch von Schule. Es ist Irrsinn, Kinder bereits in der Grundschule in eine aussagelose Skala einteilen zu wollen. Stattdessen müssen gerade hier den Kindern ausführliche schriftliche Anregungen und Hinweise gegeben werden, wie sie ihre eigenen Leistungen verbessern können. Das ist durch eine einfache Ziffernnote nicht möglich.
Auch die angekündigte Einführung von Kopfnoten ist rückschrittlich. Durch Kopfnoten werden SchülerInnen gezwungen, sich ihren jeweiligen LehrerInnen anzupassen, um ihnen zu gefallen. Das kann nicht Ziel einer die Individualität und Identität fördernden Schule sein.
Das Beherrschen der deutschen Sprache darf nicht Kriterium für die Aufnahme in die erste Klasse sein. Was passiert zum Beispiel mit Kindern, die mit ihrem sechsten Lebensjahr erst nach Hamburg kommen? Dürften diese nicht zur Schule gehen? Gerade die Schule muss hier durch ergänzende Förder- und muttersprachliche Angebote integrieren und darf nicht ausgrenzen.
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Julia Liedtke, Telefon: 38 90 78 37