»Laß Dir von keinem Fachmann imponieren, der Dir erzählt: ´Lieber Freund, das mache ich schon seit 20 Jahren so!´ - Man kann eine Sache auch 20 Jahre verkehrt machen!«
Kurt Tucholsky

Immer nur Frontalunterricht?
LehrerInnen, die keine Diskussion über das Unterrichtsthema zulassen?
Muß das so sein?

Nein, es geht auch anders im Klassenraum. Es gibt zum Beispiel Schulen, an denen SchülerInnen und LehrerInnen am Anfang der Woche (im Rahmen gewisser Vorgaben) demokratisch die Unterrichtsthemen bestimmen, und solche, die ganz auf Noten und Arbeiten verzichten.

So etwas ist möglich, im Rahmen eines Schulversuchs kann jede Schule »Veränderungen und Ergänzungen der Unterrichtsinhalte, der Unterrichtsorganisation und der Unterrichtsmethoden« erproben, heißt es im Schulgesetz. Auch SchülerInnen haben dabei Mitspracherechte, da über einen Schulversuch die Schulkonferenz entscheidet, in der auch fast ein Drittel der Mitglieder SchülerInnen sind. Die meisten alternativen Unterrichtsformen können im Rahmen einer Klassenkonferenz diskutiert und ihre Durchführung beschlossen werden.

Wir wollen Euch nun einige Beispiele nennen, welche anderen Unterrichtsformen möglich sind. An vielen Schulen werden sie bereits erfolgreich praktiziert.

Projektunterricht

Das, was normalerweise in einer Projektwoche gemacht wird, nämlich das Arbeiten an einem einzigen Projekt, läßt sich auch auf den Unterricht übertragen. Bei der Arbeit an einem Projekt lassen sich auch viele Fächerinhalte kombinieren.
Im Rahmen eines Projektunterrichtes können Straßenumfragen gestartet werden, man kann »Fachleute« zum Thema interviewen und noch vieles mehr.

Erfahrungen haben gezeigt, daß man mit praxisnahen und anschaulichen Aktionen besser lernen kann, als mit bloßer Theorie.

Ihr könnt das Thema ruhig einmal auf einer LehrerInnenkonferenz, zu der auch die SchülerInnen eingeladen werden müssen, die Mitglied der Schulkonferenz sind. Oder ihr könnt es auf einer Klassenkonferenz diskutieren. Vielleicht finden sich ja einige LehrerInnen, die Projektunterricht durchführen wollen.

Epochenunterricht

Beim Epochenunterricht wird in einem Fach über einen längeren Zeitraum gearbeitet, man hat zum Beispiel einen ganzen Schultag ein einziges Fach. Die Vorteile liegen darin, daß SchülerInnen und LehrerInnen nicht im 45-Minuten-Takt von einem Fach ins nächste umschalten müssen und somit an einem Thema konzentriert durcharbeiten können. Auch kann man beim Epochenunterricht auch - genauso wie beim Projektunterricht - anschauliche Aktionen, wie zum Beispiel Besuche bei sozialen Einrichtungen im Fach Sozialkunde/ Gemeinschaftskunde durchführen, da die SchülerInnen nicht nur eine Schulstunde, sondern einen ganzen Schultag Zeit haben.

Offener Unterricht

Beim Offenen Unterricht ist der Frontalunterricht weitgehend abgeschafft. Am Anfang der Woche stellt die Lehrerin/der Lehrer die Themen der kommenden Woche vor, verteilt Aufgaben und gibt Anregungen, wie diese zu lösen sind. (z. B. Hinweise auf Seiten in den Schulbüchern). Die SchülerInnen können sich nun ihre Zeit selbst einteilen. Wollen sie in Gruppen arbeiten oder alleine? Wichtig ist nur, daß sie am Ende der Woche die Aufgaben bestmöglich bearbeitet haben. Natürlich ist die Lehrerin/der Lehrer ständig für Fragen ansprechbar, kann sich auch mit Kleingruppen zurückziehen und Hilfen geben.

Offener Unterricht dient dazu, in einer Klasse die leistungsstärkeren zu fordern und die weniger leistungsstarken zu fördern, da das Unterrichtsniveau nicht immer ein Mittel zwischen dem Leistungsstand der Klassenbesten und der Klassenschlechtesten ist, die einen also unter- und die anderen überfordert werden. Statt dessen kann auf jeden Einzelnen so eingegangen werden, wie sie/er es wünscht. Die Lehrerin/der Lehrer kümmert sich zum Beispiel um die Schwächeren, während die am weitesten fortgeschrittenen SchülerInnen mit anderen Klassenmitgliedern weitergehende Aufgaben durcharbeiten.

Das klingt ziemlich ungewohnt, aber Erfahrungen haben gezeigt, daß diese Form Unterricht auf die SchülerInnen sehr motivierend wirkt, weil sie u. a. ihr eigenes Lerntempo bestimmen.

Durch die verstärkte Gruppenarbeit wird außerdem das Sozialverhalten verbessert und zusätzlich wird die Selbständigkeit gefördert.

Auch dieses Thema könnte in einer Schulkonferenz angesprochen werden, beziehungsweise mit interessierten LehrerInnen diskutiert werden.

Dies ist nur ein schmaler Ausschnitt aus den Möglichkeiten, Unterricht anders zu gestalten. Andere Beispiele sind der Ersatz der Noten durch Entwicklungsberichte (Kommentare) sowie eine verstärkte Demokratie in der Schule, die uns SchülerInnen erlaubt, mehr von unseren Vorstellungen zu verwirklichen.

  • Weitere Infos zu den Gremien, die über die Einführung alternativer Unterrichtsformen entscheiden, bekommst du im Bereich »KlassensprecherInnen«.

 

 

 

 

 

 

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